Hippolyte Bayard
1801-1887
Jugend und frühe jahre
Bayard wurde in einem kleinen Dorf im Département Oise geboren: Breteuil-sur-Noye. Sein Vater war der erste gewählte Friedensrichter aufgrund eines Dekrets vom Juli 1790 mit der dieser Richterstand eingeführt wurde. Seinen Sohn gab er eine Ausbildung, die es ihm ermöglichte Notariatsschreiber zu werden. In jungen Jahren schon verließ er jedoch seine Vaterstadt Richtung Paris und fand dort eine Anstellung im Finanzministerium. Der junge Mann war künstlerisch begabt und konnte gut zeichnen. Zu dieser Zeit war Paris ein wichtiges Zentrum für die Künste. Durch seinen Schulfreund Edmond Geoffroy, der Schauspieler an der Comédie Française war, fand er dort Anschluss an Künstlerkreise und schloss Freundschaft mit Grevedon, de Gavarni, de Chalet und Dupuis. Letzterer war eng mit Amaury-Duval verbunden, dem Schüler des Malers Ingres.
Photographische Experimente
Die gesicherte Stellung als Staatsbeamter gestattete es Bayard, sich seinen künstlerischen Neigungen und seinen fotografischen Experimenten zu widmen. Er eignete sich einfach Kenntnisse auf dem Gebiet der Physik und Chemie an und interessierte sich für die Wirkung des Lichtes. So entdeckte er, dass ein Blatt Papier, das mit der Farbe der Färberdistel durchtränkt war, unter dem Einfluss der Sonne ausbleichte, wo es nicht abgedeckt war. Gerade diese Beobachtung scheint ihn auf die Idee gebracht zu haben, sich mit fotografischen Verfahren zu beschäftigen. Zurückgehend auf eine Mitteilung des Pariser Optikers Chevalier bei dem auch Nièpce und Daguerrre Kunden waren, vermutet man heute, dass Bayard jener junge Mann war, der in seinem Geschäft um 1830 die ersten Proben seiner Experimente zeigte. Noch vor 1837 fertigte er Fotogramme an und sammelte sie in einem Album.
Bayards Methode bestand darin, ein Schreibpapier mit Silberchlorid zu beschichten und dann unter der Sonne völlig schwärzen zu lassen. Anschließend tauchte er es in Lugolsche Lösung und belichtete es in der Kamera. Das Papier bleichte an den belichteten Stellen aus und das Jod wurde an das geschwärzte Silber gebunden. Danach wurde das Bild in einer Kaliumbromidlösung fixiert und gewässert. Das Ergebnis war ein positives Bild, ein Unikat.
Die erste Photoausstellung der Welt
Als Arago am 7. Januar 1839 ankündigte, dass Daguerre eine Möglichkeit gefunden habe, das bis dahin flüchtige Bild der Camera obscura zu fixieren, war das eine in der Öffentlichkeit eine viel diskutierte Sensation. Wenn Daguerre auch zu diesem Zeitpunkt die technischen Details seines Verfahrens noch nicht bekannt gegeben hatte. Am 20. Januar des gleichen Jahres stellte Bayard nach einem Bericht von Raoul Rochette vor der Académie des Beaux-Arts sein eigenes fotografisches Verfahren vor und am 5. Februar präsentierte er einige noch unvollkommene Arbeitsproben. Am 13. Mai zeigte er Saint und Grevedon weitere Ergebnisse seiner Arbeit. Am 24. Juni fand die erste Fotoausstellung der Welt mit etwa 30 Arbeiten Bayards im Saal der Commissaire-Prisseurs anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Opfer eines Erdbebens statt, das sich im Januar zuvor auf Martinique ereignet hatte. Das Ereignis fand auch einen Niederschlag in der Presse. Allerdings gelang es Bayard nicht, sein Verfahren patentieren zu lassen, weil Arago bereits die Sache Daguerres betrieb und es ablehnte sich mit Bayards Verfahren auseinanderzusetzen.
Enttäuschung über die mangelnde Anerkennung seiner Verdienste
Am 18. Oktober 1840 fertigte Bayard mit seinem eigenen fotografischen Verfahren ein Selbstportrait in der Rolle eines Ertrunkenen an. Auf Rückseite diese Bildes machte er seinem Kummer darüber Luft, als Erfinder eines fotografischen Verfahrens keine Anerkennung gefunden zu haben. Es ist das erste männliche Aktphoto der Welt.
Pionier der Architekturphotographie
Bayard war in späteren Jahren als beachteter Fotograf tätig und wandte sich zunächst der Daguerrotypie und später der Kalotypie zu. Sein Interesse galt besonders Straßenszenen, der Reproduktion von Kunstwerken und Bauwerken. Als einer von vier Fotografen wurde er beauftragt historische Gebäude aufzunehmen, die in einem Katalog als Monument historique erfasst werden sollten. Die Anfänge dieser bis heute fortgeführten staatliche Inventarisierung gingen bereits auf das Jahr 1830 zurück. Auch von seiner Sammlung von Gipsabgüssen fertigte er viele Stilleben an. Wegen ihrer weißen Farbe eigneten sie sich gut als Motiv, weil sie das Licht stark reflektieren.
1851 wurde er Gründungsmitglied der Société Héliographique, die 1854 in die Société française de photographie umgewandelt wurde. Er diente beiden Institutionen über Jahre als Generalsekretär und Justiziar.
1887 starb er in Nemours.
Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia
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