Louis Jaques Mandé Daguerre

1787-1851

Jugend und frühe jahre


Daguerre wurde in Corneilles-en-Parisis geboren. Er wuchs allerdings hauptsächlich in Orléans in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater war Schreiber und brachte es später immerhin zum Schreiber der Staatsdomäne in Orléans. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er bei einem Architekten in die Lehre gegeben. Dort entdeckte er sein Talent zum Zeichnen. Später wechselte er deshalb den Beruf und wurde Dekorationsmaler. Durch seine besondere Gabe Panoramen herstellen zu können fand er in Theatern Beschäftigung. Um seine Talente auszubauen schickte man ihn nach Paris zum Ausstattungschef der Pariser Oper Eugéne Marie Degotti. Er verdingte sich außerdem als Opernstatist, Tänzer, Akrobat und Seilkünstler



Das diorama


Der Erfolg stellte sich erst ein nachdem er sich mit dem Maler Charles Marie Buton zur Gründung eines Dioramas zusammengetan hatte. Diese Einrichtung wurde wegen ihrer realistischen Effekte beim Pariser Publikum sehr beliebt. Zur Anfertigung der Bilder bediente er sich der Camera obscura, der diese ihren gerühmten Realismus verdankten. Um sich seine Arbeit zu erleichtern beschäftigte er sich ab 1824 mit lichtempfindlichen Substanzen und versuchte das Bild seiner Kamera obscura dauerhaft einzufangen. Er hatte jedoch damit keinen Erfolg. Allerdings gelang es ihm seine Camera obscura durch Linsen zu verbessern, die er ebenso wie Nièpce von dem Optiker Vincent Chevalier bezog. Durch ihn erfuhr er von Nièpce und seinen fotografischen Experimenten und nahm 1826 das erste Mal brieflich Kontakt mit ihm auf.



ZUsammenarbeit mit Nièpce


Allerdings war die Korrespondenz anfangs sehr verhalten bis sich beide 1829 persönlich in Paris kennen lernten. Dort vereinbarten sie eine vertragliche Zusammenarbeit. Bis auf einige persönliche Besuche Daguerres in Le Gras verlief die weitere Zusammenarbeit vorwiegend auf brieflicher Basis ab. Beide berichteten sich gegenseitig über ihre Forschungsergebnisse. Während Daguerre in der ersten Zeit den gleichen Ansatz wie Nièpce verfolgte und lichtempfindliche Harze untersuchte arbeitete er ab 1831 parallel an der Entwicklung seines ganz eigenen Verfahrens. Den entscheidenden Anstoß dazu erhielt er aber von Nièpce der als erster mit silberbeschichteten Kupferplatten und Jod experimentiert hatte. Obgleich ihm der chemische Hintergrund nicht bewusst war, hatte er Silberjodid auf dem Silberspiegel der Kupferplatte erzeugt, der entscheidende Durchbruch, um die Belichtungszeit auf um drei Minuten zu verkürzen. Allerdings erhielt er auf diese Weise nur ein Negativ und konnte dies zudem nicht gegen weitere Belichtung haltbar machen.


1833 starb Nièpce überraschend an einem Schlaganfall. Nach seine Tod arbeitete er mit dessen 1833 arbeitete er mit seinem Sohn Isidore weiter an den fotografischen Verfahren.



DEr Durchbruch


Erst im Jahr 1837 gelang Daguerre der Durchbruch mit seinem eigenen Verfahren. Er machte die silberbeschichteten Platten mit Joddämpfen lichtempfindlich. Das latente Bild wurde mit Quecksilberdampf entwickelt. Dabei wurde das Quecksilber an das Silber in Form eines Amalgams angelagert, dass zuvor durch Belichtung des Silberhalogenids reduziert worden war. Man spricht daher von einer physikalischen Entwicklung im Gegensatz zu der heute üblichen chemischen Entwicklung. Durch ein einfaches Bad in Salz, später auch in Natriumthiosulfat oder einer Cyanidlösung wurde das Bild fixiert und damit beständig. Das auf diese Weise erzeugte Bild ist ein Positiv und daher auch ein Unikat. Die älteste bekannte Daguerrotypie ist ein Stilleben aus dem gleichen Jahr. Noch waren die Platten zu lichtunempfindlich und so konnten nur tote Gegenstände ohne Bewegungsunschärfe abgebildet werden.


Erst 1839 hielt Daguere seine Erfindung ausgereift genug, um sie der Öffentlichkeit vorzustellen. Am 7. Januar 1839 wurde das Verfahren erstmals in der Akademie der Wissenschaften vorgestellt. Der Politiker, Physiker und Astronom Francois Arrago hatte diesen Termin vermittelt. In einem Saal der Deputiertenkammer waren einige Fotografien ausgestellt. Die Aufnahmen wurden gerühmt wegen ihres Detailreichtums, der sich noch unter der Vergrößerung einer Lupe offenbarte. Das Echo in der Presse war gewaltig. Schon im Juli 1839 erschien beispielsweise das Buch „Das Geheimnis der Daguerrotypie“ in deutscher Sprache und damit mehr als einen Monat, bevor die technischen Details des Verfahrens veröffentlicht wurden. Am 19. August des gleichen Jahres war es dann soweit. Auf die Empfehlung von Arrago und des Physikers und Chemikers Gay-Lussac wurde das Verfahren von der Regierung der Grande Nation der ganzen Welt zum Geschenk gemacht. Daguerre und Isidore Nièpce erhielten eine lebenslange Leibrente vom Staat und zwar 6000 Franc jährlich für Daguerre und 4000 für Isidore Nièpce, denn beide waren ja nach wie vor vertraglich aneinander gebunden.


Schon wenige Wochen später wurden die für das Verfahren benötigten Kameras in Serie gebaut. Als erster Hersteller stieg die Pariser Firma Susse Frère in das Geschäft ein, wenig später Giroux, der Schwager von Daguerre, der die Kameras unter seiner Lizenz herstellte.


Auch an der Verbesserung des Verfahrens wurde bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung weiter gearbeitet. Die wichtigsten Anliegen waren die Verbesserung der Empfindlichkeit und die langfristige Haltbarmachung der berührungsempfindlichen Bildoberfläche. Im September 1839 entdeckte der Wiener Beamte F. Kratochwila, dass das „Räuchern“ der Platte mit Brom die Empfindlichkeit soweit steigerte, dass die Belichtungszeit, die zu diesem Zeitpunkt zwischen fünf Minuten und einer halben Stunde lag, deutlich verkürzt werden konnte. Um jedoch Portraits herstellen zu können, musste die Belichtungszeit weiter gesenkt werden. Dies gelang dem Mathematiker J. Petzval aus Wien, der ein Objektiv berechnete, dass sechzehn mal lichtstärker war als die damals üblichen Linsen.


Im Oktober machte der Chemiker und Physiker F.K.A. Himley die wichtige Entdeckung, dass sich die Bildoberfläche durch Gold- und Platin-Salze haltbarer machen lässt. Zudem erhöht sich der Kontrast des Bildes und die Silberflächen wurden wirksam vor dem Anlaufen geschützt. Allerdings wurde diese Methode der Goldtonung erst nach der erneuten Veröffentlichung durch L.A.H. Fizeau im August 1840 allgemein verwendet.


Mit der Senkung der Belichtungszeit auf unter einer Minute wurde die Portraitfotografie technisch möglich und kommerziell nutzbar. Ab 1841 breiteten sich die Portraitateliers weltweit explosionsartig aus. Gleichzeitig bildete sich eine Industrie heraus, die die benötigten Kameras, Chemikalien und vor allem die silberbeschichteten Kupferplatten herstellte. Bei diesen Platten war die Silberschicht doubliert, d.h. sie wurde durch ein Walzverfahren aufgetragen. Anders als mit der galvanische Versilberung war auf diese Weise eine gleichmäßige Dicke der Silberschicht zu erzielen, die erforderlich ist, um über die ganze Bildoberfläche eine gleichmäßige Lichtempfindlichkeit zu erzielen. Dennoch war die Daguerrotypie ein recht teures Verfahren. Ein Bild kostete etwas den Gegenwert von zwei Wochenlöhnen eines Zimmermanns.


Daguerre erlebte den Siegeszug seiner Erfindung noch. Er starb 1851 vermutlich an einem Aneurysma. Die Daguerrotypie war als fotografisches Verfahren bis in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts im allgemeinen Gebrauch, in abgelegen Teilen Amerikas sogar noch bis weit in die siebziger Jahre. Der Hauptnachteil der Daguerrotypie war von Beginn an der Umstand, dass das Bild ein Unikat war und auf einfache Weise keine Kopien hergestellt werden konnte. Sie wurde daher von der billigeren Kalotypie abgelöst, besonders im handlichen Format der Carte de Visite.

Quelle: Wikipedia