Zelluloid als Bildträger
Zelluloid als Bildträger
Die Erfindung des Zelluloids
1861 gelang Alexander Parkes die Erfindung des Zelluloids. Dieser erste Kunststoff eroberte sich schnell eine große Marktbedeutung. Die Transparenz des Materials und seine Flexibilität liessen M.H. Fourtier 1881 daran denken es als flexiblen Bildträger zu benutzen. Allerdings standen dieser Idee technische Schwierigkeiten entgegen. Es war nämlich nicht möglich ausreichend dünnes, transparentes und homogenes Material herzustellen. Die Produzenten von Zelluloid rechneten sich mit einem solchen Material kein ausreichendes Geschäft aus und verfolgten die Idee daher nicht weiter.
Der Siegeszug des Zelluloid als flexibler Bildträger
John Wesley Hyatt, der in New Jersey eine Zelluloidfabrik betrieb, hatte auf Anregung des Fotografen John Carbutt schon einige Jahre erfolglos mit der Herstellung von Zelluloidfilmen experimentiert. 1888 gelang ihm der Durchbruch. Er stellte einen 1,25 mm dicken Zelluloidfilm her, der sich erstmals zu photographischen Zwecken eignete. Noch im selben Jahr führt John Carbutt, der bis zu diesem Zeitpunkt Trockenplatten in seiner Fabrik hergestellt hatte, den ersten biegsamen Film mit dem neuen Filmträger von Hyatt ein. Später produzierte Hyatt das Material auch für andere Kunden. Die Zelluloidrollen waren 53,3 cm breit und 100m lang. Daraus wurden dann die Filmblätter herausgeschnitten.
Mit dem Rollfilm gelingt der Durchbruch zum Massenmedium
Henry M. Reichenbach von der Kodak Company erhielt 1889 ein wichtiges Patent auf einen Film, der bereits einige Monate vor der Patenterteilung unter dem Namen „American Film“ auf den Markt gekommen war. Diese erste Rollfilmmaterial eingesetzt in einer sehr einfach zu bedienenden Kamera, die der Kunde zur Entwicklung des Films zum Händler brachte und eine neu gefüllte zurückerhielt war der Durchbruch der Photographie zum Massenmedium. Auch geschäftlich war der Rollfilm für Kodak ein Erfolg. Einige Jahre lang besaß die Firma sogar das Monopol auf das Material.
Erfinder ohne Glück
Achtzehn Monate bevor Hyatt sein verbessertes Zelluloidträgermaterial vorstellte, beantragte der Pfarrer Hannibal Goodwin 1887 ein Patent für transparenten Rollfilm aus Nitrozellulose. Wegen verschiedener Widrigkeiten, die unter anderem auch mit seinem Geldmangel zusammenhingen wurde das Patent jedoch erst 1898 erteilt. Wegen fortgesetzter finanzieller Engpässe wurde die Herstellung seines Filmmaterials immer wieder verschoben und sollte schließlich 1900 beginnen. Noch bevor es aber soweit war, kam er bei einem Unfall auf der Straße ums Leben.
Goodwin begann einen mehrjährigen Rechtsstreit mit Kodak um das fragliche Patent, der nach seinem Tode zunächst von der Firma Anthony und später Ansco fortgesetzt wurde. Der Rechtsstreit wurde erst 1914 endgültig entschieden und das Patent Goodwins als gültig anerkannt. Kodak verglich sich mit dem Patentinhaber Ansco und zahlte 5 Millionen Dollar Entschädigung für die entgangenen Einnahen aus dem Patent Goodwins.
rOllfilm
Anfangs wurde der Rollfilm lediglich offen auf eine Spule gewickelt. Die erforderte es, ihn in der Dunkelkammer in die Kamera einzulegen. Bereits 1895 erhielt Samuel N. Turner das Patent auf die Tageslichtspule. Hierbei wird der Film mit einem durchgehenden lichtdichten Papier auf die Spule gewickelt. Auf diese Weise kann er bequem bei Tageslicht in die Kamera gelegt und nach der Belichtung transportiert werden.
Um einen längeren Film auf die gleiche Spule wickeln zu können erschienen später auch Filmspulen bei denen nur am Anfang und Ende des Films ein streifen lichtdichtes Papier angeklebt war. Im Laufe der Jahre erschienen zahlreiche Varianten dieses Grundprinzips mit unterschiedlichen Rollenbreiten und Längen auf die Bilder in zahlreichen Formaten belichtet werden konnten.
Hauptsächliche Verwendung fand der Rollfilm mit 61,5mm breite und seltener solcher mit 40mm breite für besonders kompakte Kameras. Bis in die 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts blieb der Rollfilm das meist verwendete Filmmaterial. Danach wurde er abgesehen von professionellen Anwendungen vom Kleinbildfilm allmählich abgelöst.