Joseph Nicéphore Nièpce

1765-1833

Jugend und frühe jahre


Nièpce wurde 1765 in der burgundischen Stadt Chalon-sur-Saône geboren. Sein Vater war königlicher Anwalt und später Steuereinnehmer in seiner Heimatstadt. NIèpce hatte eine Schwester und zwei Brüder. 1786 trat er bei den Oratorianerbrüdern in Angers ein. Schon damals hatte er großes Interesse an den Naturwissenschaften, namentlich an Chemie und Physik.


1788 verließ er die Kongregation und trat in  Chalon-sur-Saône in die Nationalgarde ein. In dieser Zeit gab er sich den Beinamen Nicéphore. 1792 schrieb er sich in die Revolutionsarmee ein und diente dort als Unterleutnant im 42. Infanterie Regiment. In den folgenden zwei Jahren nahm er an den Feldzügen in Südfrankreich, Italien und in Sardinen teil. Während ihres gemeinsamen Dienstes in Cagliari auf Sardinien entwickelten Nièpce und sein Bruder Claude die Idee, das Bild der Camera obscura dauerhaft und haltbar einzufangen. Der Gedanke kam ihnen, weil beide künstlerisch unbegabt waren und nicht zeichnen konnten.


1794 verließ Nièpce die Armee und ließ sich in Nizza nieder, wo er am 4. August des gleichen Jahres Agnes Roméro heiratete. Sein ältester Bruder quittierte ebenfalls den Dienst in der Armee und zog zur Familie seines Bruders nach Nizza.  1795 wurde sein Sohn Isidore geboren. Nièpce arbeitet im Bezirksausschuss von Nizza bis 1801.



Arbeiten an einem Verbrennungsmotor


1789 begannen die beiden Brüder mit der Arbeit an ihrem ersten gemeinsamen Projekt. Es handelte sich um die Entwicklung eines Explosionsmotors, der als Ersatz für die Dampfmaschine dienen sollte. Nach dem Tod des Vaters 1785 übernahm zunächst die Witwe die Verwaltung des Familienbesitzes in Chalon-sur-Saône. Jedoch verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand im Jahre 1801 so sehr, dass sich Nièpce und sein Bruder entschlossen, mit der eigenen Familie in ihre Vaterstadt zurückzukehren. Dort wollten sie sich selbst um die Verwaltung des Familienbesitzes kümmern.


Die Arbeiten an dem mit mineralischem oder pflanzlichen Treibstoff betriebenen, Pyréolophore genannten Motor, kamen gut voran. Schließlich fuhr sogar ein von einem  Pyréolophore angetriebenes, zwei Meter langes Modellboot die Saône hinauf und demonstrierte die Funktion ihrer Entwicklung. Im Jahr 1807 erhielten sie auf ihre Erfindung des Pyréolophore sogar ein 10 Jahre gültiges Patent von Napoléon.



Pläne für die Modernisierung der Wasserspiele von Versaille


Zwischen 1807 und 1809 widmeten sie sich einem neuen Projekt, dessen Plan sie dem Kriegsminister Graf Lazare Carnot unterbreiteten. Die Wasserspiele von Versailles wurden damals noch von mehreren Wasserrädern in Marly gespeist, die Seit dem Bau der Anlage unter Ludwig XIV. in Betrieb waren. Sie beabsichtigten die Wasserräder dieser berühmte, aber inzwischen hoffnungslos veralteten Anlage nach ihren Plänen durch eine moderne hydraulische Pumpe zu ersetzen.



Engagement für den Anbau von Färberwaid während der Kontinentalsperre


Am 21. November 1806 verfügte Napoléon in Berlin die Errichtung der Kontinentalsperre, die bis 1814 in Kraft blieb. Mit den Mitteln des Wirtschaftskrieges versuchte er mit dieser Wirtschaftsblockade England in die Knie zu zwingen. Darüber hinaus gehörte zur Kontinentalsperre ein ganzes Bündel von Maßnahmen, mit dem versucht wurde, die französische Wirtschaft von der Konkurrenz aus Europa und Übersee abzuschotten. In Folge dessen kam nicht nur der kontinentale Handel fast gänzlich zum Erliegen. Besonders Versorgung Frankreichs mit über England eingeführten Kolonialwaren zu denen auch der wirtschaftliche beutenden blaue Farbstoff Indigo gehörte, wurde unterbunden. In dieser Situation besann man sich auf eine einheimische Quelle, den Färberwaid. Dessen Anbau war eigentlich schon im 18. Jahrhundert verlassen worden, weil er im Gegensatz zur indischen Indigopflanze nur ein dreißigstel des begehrten Farbstoffes enthält. In Folge der billigeren englischen Importe war der Anbau seinerzeit unwirtschaftlich geworden. Bis 1813 widmeten sich die Brüder intensiv dem Anbau des unter diesen Bedingungen erneut wirtschaftlichen Färberwaids.



Versuche mit der Lithographie


Um die Jahrhundertwende wurde in Deutschland von Alois Senefelder die Lithographie erfunden. Als preisgünstiges Vervielfältigungsverfahren breitete sich dieses Technik schnell auch nach Frankreich aus. 1813 unternahmen die Brüder Versuche mit der Lithographie auf. Sie besuchten sogar die Steinbrüche der Region auf der Suche nach besseren Steinplatten für ihre Experimente. In die gleiche Zeit fallen auch ihre erste Versuche mit lichtempfindlichen Substanzen und der mechanischen Reproduktion von Stichen. 1814 geriet Nièpce das erste Mal in finanzielle Schwierigkeiten und war gezwungen eine Anleihe auf seinen Besitz aufzunehmen. Viele weitere sollten noch folgen. Am Ende scheiterten sie jedoch mit dem Versuch, die Lithographie in Chalon-sur-Saône zu etablieren.



Erste Photographische Versuche


Auf das Jahr 1816 gehen die ersten Versuche zurück, bei denen Nièpce mit Silberchlorid beschichtetes Papier in einer Camera obscura belichtete. Allerdings gelang es ihm nicht, die auf diese Weise erhaltenen Negative dauerhaft zu fixieren und damit vor dem Ausbleichen  zu bewahren. Dennoch hatte er damit ohne es zu ahnen das Grundprinzip der Fotografie erfunden.


Ein Jahr vor dem Ablauf des Patents auf das Pyréolophore ging Claude 1816 nach Paris, um die Erfindung dort bekannt zu machen. Dieser Versuch scheiterte jedoch und Claude entschloss sich deshalb 1817 nach London weiterzureisen. Die Stadt galt damals als das Zentrum des Fortschrittes in Europa. Er erhoffe sich dort das gemeinsame Patent doch noch wirtschaftlich auswerten zu können. Unterdessen gelang es Nicéphore Nièpce, sein Kamera zu verbessern und er experimentierte weiter mit verschiedenen Chemikalien.



Versuche mit Harzen


1818 beschäftigt der sich mit Drais‘ Erfindung des Fahrrades und verbessert sie durch einen höhenverstellbaren Sattel. Er entdeckt, das Guajackharz  seine Löslichkeit verändert, wenn es dem Licht ausgesetzt wird.


Bis 1820 experimentierte er weiter mit verschiedenen Harzen und stieß dabei auch auf das vielversprechende Judäapech. Dieses natürlich vorkommende lichtempfindliche Bitumen wird in Israel gefunden und wurde damals auch für medizinische Zwecke verwendet. Bereits die Ägypter kannten und verwendeten diesen Stoff. Judäapech wurde außerdem im graphischen Handwerk eingesetzt und zum Ätzen von Stichen sowie bei der Lithographie verwendet.


Niépce entdeckte aber zwei weitere Eigenschaften, die für einen fotografischen Prozess von Bedeutung waren. Unter dem Einfluss von Licht bleichte das ursprünglich schwarze Material zu Grau hin aus und wichtiger noch erhärtete es an Stellen, die dem Licht ausgesetzt waren, schneller als an unbelichteten.



Erster Erfolg - Die Photomechanische Vervielfältigung


1822 kam es zum ersten greifbaren Erfolg der jahrelangen Forschungen.  Er beschichtete eine Glasplatte mit Judäapech und legte einen Stich im Kontakt darauf. Das Papier hatte er zuvor mit Fett durchsichtig gemacht. Unter dem Einfluss des Sonnenlichts härtete der Lack an den transparenten Stellen des aufgelegten Blattes aus, während er unter den schwarzen Strichen des Stiches noch weich blieb. In einem anschließenden Bad aus Lavendelöl und weißem Terpentin wurden die nicht gehärteten Stellen der Pechschicht herausgewaschen. Gegen das Licht gehalten zeigten sich die schwarzen Striche des Stiches hell abgehoben vom schwarzen Pech. Wurde die gleiche Platte dagegen vor einen dunklen Hintergrund gehalten und von der Vorderseite beleuchtet, zeigte sich ein Positiv mit schwarzen Linien vor der grauen Umgebung des Pechs. Dieses erste Beispiel einer fotomechanischen Vervielfältigung, das ein Bild des Papst Pius VII. zeigte, ging leider später verloren. Nièpce selbst zerstörte die Glasplatte Jahre später als er versuchte, eine Kopie davon anzufertigen.


Das Jahr1824 brachte erneute ernste finanzielle Schwierigkeiten mit sich, aber auch weitere Erfolge. Mit einer Belichtungszeit von fünf Tagen gelang es ihm das erste Bild auf einem Lithographiestein festzuhalten. Das Bild war zwar schwach, aber der Effekt war nach seiner eigenen Aussage „magisch“. Er experimentierte mit weiteren Bildträgern darunter Glas, Stein und Kupferplatten. Außerdem versuchte er, mit der Aqua fortis Methode Druckplatten herzustellen.


Um den von ihm angestrebten Druckprozess weiter zu verbessern,  nahm er 1825 die Zusammenarbeit mit dem Radierer Augustin Lemaitre aus Paris auf. Außerdem verbesserte er seine Kamera durch Linsen, die er bei dem bekannten Pariser Optikers Charles Chevalier bezogen hatte. Über diese Bestellung erfuhr Chevalier von seinen fotografischen Experimenten in Le Gras. Er erzählte später einem anderen Kunden, Daguerre der zu dieser Zeit schon ein bekannter Maler, Bühnenbildner und Besitzer einen Dioramas war, von Nièpce und seinen Versuchen. Das entscheidende freudige Ereignis dürfte jedoch die Hochzeit seines Sohnes Isidore mit Eugenié de Champmartin gewesen sein.


In diesen Jahren wendete er sich von Glas als Bildträger ab und beschäftigte sich mit der Beschichtung von polierten Platten aus Zinn und Zink. Seine primäre Absicht bestand weiter darin, eine Druckplatte zu erhalten. Ein Beispiel aus dieser Zeit ist erhalten. Es handelt sich um eine Kopie eines Stiches des Kardinals George d‘Amboise aus dem Jahr 1827. Die mit Judäapech beschichtete Platte wurde mit Lavendelöl und weißem Terpentin an den unbelichteten Stellen ausgewaschen und anschließend in einem Säurebad geätzt. Die geätzen Stellen hielten die Farbe fest und durch den Druck auf Papier entstand erneut ein Positiv.



DAS erste Photo der Welt


Parallel zu den Arbeiten an den Druckplatten, die ja im Kontaktkopierverfahren hergestellt wurden, plazierte Nièpce wohl erstmals 1826 eine seiner pechbeschichteten Zinnplatten in seiner Camera und richtete sie aus einem Fenstern des dritten Stocks seines Anwesens in Le Gras auf den sonnenbeschienen Hof. Die Belichtungszeit betrug etwa 8 Stunden. Die Platte wurde mit Lavendelöl und Terpentin behandelt. An den unbelichteten Stellen wurden der Asphaltlack ausgewaschen und die graue Zinnplatte kam zum Vorschein. Das so erhaltene Bild erscheint auf den ersten Blick wie ein Spiegel. Erst wenn die Platte in einem bestimmten Winkel dem Licht ausgesetzt wird, zeigt sich ein positives Bild. Im Zusammenhang mit diesem ersten Foto prägte er den Begriff Heliographie zusammengesetzt aus den griechischen Worten für Sonne (Helios) und Schreiben (graphein). Heute ist dies das älteste erhaltene Foto der Welt.



Bekanntschaft mit Louis Daguerre


In diesem Jahr begann auch die erste vorsichtige Korrespondenz mit Daguerre, der sich zuvor auf die Vermittlung des Optikers Chevalier erstmals brieflich an Nièpce gewandt hatte.


1827 erreichtedie Familie aus London die Nachricht, dass Nièpce‘ Bruder Claude, der im übrigen dort glücklos gewesen war, im Sterben lag. Darauf hin entschloss er sich, ihn mit seiner Frau Agnes in London zu besuchen. Auf dem Weg dorthin machte er Station in Paris und traf erstmals mit Daguerre zusammen. Im Reisegepäck hatte er unter anderem das Bild von Le Gras und den Druck des Kardinals George d‘Amboise dabei. Während seines Aufenthaltes in England lernte er Kew den Botaniker Francis Bauer kennen und freundete sich mit ihm an. Dieser bot sich an, bei der Royal Society für ihn zu vermitteln und Nièpce schrieb zu diesem Zweck eine kurze Abhandlung über die Heliografie. Die Royal Society lehnte es  aber schließlich ab, die Forschungen von Nièpce finanziell zu unterstützen. Vermutlich war er daran selber nicht ganz unschuldig, weil er damals nicht bereit war die technischen Details seines Verfahrens offen zu legen und zu veröffentlichen.


Im Januar 1828 kehrte das Ehepaar wieder nach Le Gras zurück. Nièpce lies die Bilder und das Manuskript bei seinem Freund dem Botaniker Bauer zurück, in der Hoffnung dieser könnte ihm in der Zukunft weiter behilflich sein, sein Verfahren in England bekannt zu machen. Kurz nach der Rückkehr des Ehepaares nach Le Gras im Februar des gleichen Jahres verstarb sein Bruder Claude.


Joseph begann mit polierten Silberplatten zu arbeiten und benutze Joddämpfe, um unbelichtete Stellen dunkler zu machen. Damit hatte er ohne es zu ahnen eine wesentlichen Bestandteil des späteren Daguerrschen Verfahrens entdeckt. Die Schuldenlast war unterdessen so weit angewachsen und so drückend, dass Nièpce sich gezwungen sah, erstmals Teile seines Besitzes zu verkaufen. Auch im darauf folgenden Jahr setze Nièpce seine versuche mit silberbeschichteten Kupferplatten und Joddämpfen fort. Es gelang ihm schließlich die Belichtungszeit auf etwa 30 Minuten zu senken. Allerdings war es ihm immer noch nicht gelungen, das erhaltene Bild dauerhaft zu konservieren.


Also beabsichtigte er sein Verfahren zur Heliografie schließlich doch noch zu veröffentlichen. Aber Daguerre brachte ihn von dem schon fest gefassten Plan wieder ab. Am 14. Dezember 1829 unterzeichneten die beiden eine Vertrag zur Zusammenarbeit. Nièpce steuerte dem gemeinsamen Unternehmen sein bisherigen Erfindungen bei. Daguerre dagegen brachte seine verbesserte Kamera ein.


1830 versuchte Nièpce weiter, direkte Positive zu erhalten. Aber letztlich gelang es ihm nicht das Bitumen so ausreichend zu bleichen, wie er es beabsichtigte. Im Juni besuchte ihn Daguerre für zwei Wochen in Le Gras. Im folgenden Jahr verschlechterte sich seine finanzielle Lage weiter und er war erneut gezwungen, Teile seines Besitzes im Dorf Saint-Loup-des-Varennes zu verkaufen. Er experimentiere unverdrossen weiter mit verschiedenen Harzen, ohne jedoch einen entscheidenden Durchbruch zu erzielen. 1832 besuchte Daguerre Nièpce erneut. Die beiden erfanden zusammen die Physautotypie, die ein Destillat aus Lavendelöl als fotoempfindliches Substrat verwendete. Damit konnten sie Bilder mit einer Belichtungszeit von weniger als acht Stunden erhalten. Im November besuchte ihn Daguerre erneut, um an verschiedenen anderen Verfahren weiterzuarbeiten. 


Im Juli 1833 verstarb Nièpce unerwartet an einem Schlaganfall. Technisch waren seine Versuche nicht wesentlich über das Asphaltverfahren hinausgekommen. Da er zu Lebzeiten sein Verfahren nicht veröffentlicht hatte, erfuhr die Öffentlichkeit damals nicht auf breiter Basis von seiner Erfindung.


Auch die Entwicklung und Veröffentlichung eines brauchbaren fotografischen Verfahrens für die bildmäßige Fotografie durch seinen Geschäftspartner Daguerre erlebte er nicht mehr.

Quelle: Wikipedia

Heliographie


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Wohnhaus


Quelle: Wikipedia

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